Don Camillo Montmirail

 

Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord - die Segenskirche

Wenn man die Schönhauser Allee Richtung Alexanderplatz herunterfährt, sieht man sie spätestens, wenn man die Kreuzung Eberswalder / Danziger Straße überquert hat: die Segenskirche. Sie ist eingebaut in die Häuserfront, wie einige andere Kirchen auch, die in der Gründerzeit gebaut worden sind. Parallel zum 75 m hohen Turm der Kirche, dem höchsten im Prenzlauer Berg, sieht man - einen guten km weiter weg - den Fernsehturm vom Alexanderplatz. Die Segenskirche steht heute mitten im Szenebezirk Prenzlauer Berg, nur wenige Schritte entfernt von Kulturbrauerei und Pfefferberg, schräg gegenüber vom Jüdischen Friedhof. Im Rücken die Oderbergerstraße und Kastanienallee, vor sich den Kollwitzplatz.

evangelisten

Geschichtliches

Am 2. Advent 2008 feierte die Segenskirche ihr hundertjähriges Jubiläum. Hervorgegangen ist sie aus der Zionsgemeinde. Nachdem diese bereits 1891 auf über 116 000 Gemeindeglieder angewachsen war, wurde nach der Abzweigung der Gethsemane- (1893) und der Paul-Gerhardtgemeinde (1907) erneut eine Tochtergemeinde, eben die Segensgemeinde mit 40.000 Gemeindegliedern gegründet. Im Jahre 1900 wurde das Grundstück Schönhauser Allee 161 für den Kirchenneubau erworben. Dort hatte sich bis dato ein Wohnhaus mit Lokal, Kegelbahn und Kaffeegarten befunden. Am 16. Oktober 1905 erfolgte der erste Spatenstich, am 6. Mai 1906 die Einmauerung einer Bauurkunde im Altar. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau schon bis zu den Emporen fortgeschritten. Die Bauzeit des gesamten Ensembles dauerte bis 1909. In diesen Jahren entstanden nach den Plänen der Architekten August Dinklage, Olaf Lilloe und Ernst Paulus ein Wohnhaus, ein Pfarr- und Gemeindehaus, der 75 Meter hohe Kirchturm und die Kirche, die, von der Straße aus kaum zu sehen, den Innenhof abschließt.

Ausgestattet mit drei Pfarrstellen und Mitarbeitern im sozialen und diakonischen Bereich stellt sich die Segensgemeinde den vielfältigen Herausforderungen eines Berliner Arbeiterbezirkes. Während der Zeit des Nationalsozialismus wirken an der Segenskirche auch aktive Vertreter der Bekennenden Kirche. Während 1935, im Jahr der Nürnberger Rassegesetze, die Gemeindekirchenräte in Paul-Gerhardt und in Gethsemane unter dem Druck der "Deutschen Christen" (DC) Judentaufen verboten, gab es im selben Jahr 114 Taufen von Menschen jüdischer Herkunft aus ganz Berlin in Segen (Pfarrer Mähl). Insgesamt wurden von 1933 – 1940 fast 700 Menschen jüdischer Herkunft in Segen getauft. Es handelt sich überwiegend um Erwachsenentaufen. Drei Monate erhielten sie in der Messiaskapelle in der Kastanienallee Taufunterricht und wurden dann von den hier ehrenamtlich tätigen Pfarrern Burgstahler und Knieschke in der Segenskirche getauft. Trotz Verwüstung in der Pogromnacht 1938 blieb die Messiaskapelle bis zur Beschlagnahmung durch die Gestapo im Januar 1941 ein Zufluchtsort für Christen jüdischer Herkunft.

In der Zeit der DDR sank die Zahl der Gemeindeglieder auf unter 1400. Unter den sich verändernden und ökonomisch schwieriger werdenden Bedingungen nach der Wende 1989 schlossen sich die Gemeinden Elias, Gethsemane, Paul-Gerhardt und Segen zunächst Ende der 1990er Jahre zum sogenannten Nordverbund zusammen, aus dem am 1.3.2001 die fusionierte Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord hervorging. Die Gemeinden haben damit auf die neuen Rahmenbedingungen reagiert und sich den mit ihnen verbundenen Herausforderungen gestellt. Sie haben zugleich die Einsicht vorweggenommen, wie sie im Perspektivprogramm der EKBO, Salz der Erde, in der Einleitung sechs Jahre später beschrieben wird: "Das Wissen, das jede Gemeinde das Evangelium gemeinsam mit den anderen Gemeinden bezeugt, kann von der Vorstellung befreien, jede Gemeinde müsse alles zugleich tun. Vielmehr können unterschiedliche Schwerpunkte gebildet werden; Gemeinden können sich in ihren unterschiedlichen Profilen ergänzen." (S.9)

Schwerpunkte der gemeindlichen Arbeit

Mit der Fusion hat die Gemeinde 4 Kirchen und vier Gemeindehäuser, zwei Kitas und zwei Friedhöfe übernommen. Die Möglichkeiten dieser Orte und Gebäude verantwortungsvoll zu erhalten und sinnvoll zu nutzen, ist eine der Rahmenbedingungen unserer Gemeindearbeit.

Die Gemeindegliederstruktur - Alter, Herkunft, soziale Zusammensetzung – hat sich in den vergangen Jahren rasant verändert. Die Hälfte unserer Gemeindeglieder kommen mittlerweile aus den alten Bundesländern. Zwei Drittel unserer Gemeindeglieder sind im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Dem entspricht die hohe Zahl der Kinder, die mit ca. 1.800 (0-12 Jahre) eine der höchsten in unserer Landeskirche sein dürfte (Stand 2006).

Aus dieser Einleitung ergeben sich bestimmte Schwerpunkte unsere Gemeindearbeit:
• Krabbelgottesdienst für die ganz Kleinen; Angebote für Eltern (Stillgruppe, PEKIP-Kurse, Familienberatung, Mittwochscafé für Eltern und Großeltern); eine ausgeprägte kindermusikalische Arbeit; Kindergottesdienst und Christenlehre; Freizeiten; Konfirmandenunterricht; Junge Gemeinde; Taufunterricht
• Gottesdienst feiern, das Kirchenjahr gestalten
• Gesprächskreise rund um die Bibel
• Partnerschaftsprojekte im Ausland
• Kiezfrühstück und "Laib und Seele"
• Gemeinde gestalten und mitverantworten (GKR, Bezirksausschüsse, Arbeitsgemeinschaften)
• Seniorenarbeit und Tagesausflüge
• Kirchenmusik, Chorarbeit, Konzerte und Veranstaltungen
• Ökumene gestalten (Ökumenisches Forum, Kiezfest der Kirchen)
• Stadtkloster Segen

Mehr Informationen unter www.ekpn.de